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Phishing auf Microsoft-365-Konten – und warum MFA nicht reicht

aktuell

Derzeit häufen sich Angriffe auf Microsoft-365-Konten in Betrieben jeder Größe. Der Ablauf ist immer derselbe – und er funktioniert auch bei aktivierter Multi-Faktor-Authentifizierung.

  1. Eine vermeintliche Dateifreigabe: Die E-Mail kommt von einem bekannten Absender – oft vom bereits übernommenen Konto eines Geschäftspartners. „Ein Dokument wurde mit Ihnen geteilt“, in der Optik von SharePoint, OneDrive oder einem Signaturdienst.
  2. Eine nachgebaute Anmeldeseite: Der Link führt auf eine fremde Domain, die Microsoft-Anmeldung ist bis ins Detail kopiert.
  3. Die Anmeldung wird durchgereicht: Benutzername, Passwort und der MFA-Code werden in Echtzeit an Microsoft weitergegeben. Die Anmeldung gelingt – nur eben für den Angreifer.
  4. Die Sitzung ist gestohlen: Der Angreifer besitzt das Sitzungs-Token und ist angemeldet, ohne den zweiten Faktor je zu besitzen. Multi-Faktor-Authentifizierung per App, SMS oder Code ist damit ausgehebelt.

So sieht das in Wirklichkeit aus

Abgewehrter Phishing-Angriff: nachgebaute Microsoft-Anmeldeseite, der Browser-Schutz legt sich über das Eingabefeld
Abgewehrter Angriff bei einem betreuten Betrieb: nachgebaute Microsoft-Anmeldeseite auf fremder Domain. Der Passwortschutz im Browser erkennt die Fälschung und legt sich über das Eingabefeld – die Zugangsdaten können nicht eingegeben werden.

Was wäre passiert?

So läuft die Masche ab, wenn jemand auf der gefälschten Anmeldeseite Passwort und MFA-Code eingibt. Gestohlen wird nicht das Passwort, sondern die fertige Sitzung – deshalb hilft der zweite Faktor hier nicht. Der Browser-Passwortschutz greift schon bei Schritt 1.

SieEingabe auf der Fälschung Passwort + MFA-Code AngreiferProxy – leitet in Echtzeit weiter Microsoft 365die echte Anmeldung Sitzungs-Token + versteckte Weiterleitungsregel Ihr PostfachE-Mails · SharePoint · Teams Datenabfluss: alles kopiertPostfach · freigegebene PostfächerSharePoint · OneDrive · TeamsAusweiskopien · IBANs · Verträge Manipulierte Rechnungechte Vorlage, neue BankverbindungPhishing an Ihre Kontakteaus Ihrer echten Kommunikation

Gefahren

„Es ist doch nur ein E-Mail-Konto“

Das ist der häufigste Irrtum. Wer das Konto übernimmt, hat alles, was daran hängt – und nutzt es in Ruhe aus, oft über Wochen:

Der unterschätzte Teil: der Datendiebstahl. Noch bevor jemand etwas merkt, wird alles heruntergeladen, was das Konto sehen kann – das Postfach mit allen Anhängen, freigegebene Postfächer, SharePoint, OneDrive, Teams. In fast jedem Postfach liegen Ausweiskopien, Kontodaten, Verträge, Gehaltsabrechnungen, Bewerbungen und private Angaben – von Kunden, Lieferanten, Mitarbeitern. Diese Daten sind dauerhaft in fremder Hand und werden noch Monate oder Jahre später verwendet: für Identitätsdiebstahl, Kredit- und Kontoeröffnungen und gezielte Phishing-Wellen. Betroffen sind nicht nur die Empfänger der ersten Angriffswelle, sondern alle, deren Daten im Postfach oder in den Ablagen lagen.
  • Die gesamte Kommunikation – oft über Jahre, mit allen Anhängen, Angeboten, Verträgen, Kalender und Kontakten.
  • Freigegebene Postfächer: Den wenigsten ist bewusst, dass das Konto auch Zugriff auf gemeinsame Postfächer hat – Buchhaltung, Einkauf, Info-Adresse, Geschäftsführung. Mit einem Konto fallen alle.
  • Dokumente in SharePoint, OneDrive und Teams – alles, wofür das Konto Berechtigungen hat, auch Freigaben anderer Abteilungen.
  • Manipulierte Rechnungen und Kontodaten: bereits beobachtet – Rechnungen im Postausgang werden abgefangen und mit einer fremden Bankverbindung weitergeschickt, oder eingehende Rechnungen werden vor der Buchhaltung verändert.
  • Versand in Ihrem Namen: Kunden und Lieferanten bekommen E-Mails vom echten Konto – die nächste „Dateifreigabe“ übernimmt weitere Konten in der Lieferkette.
  • Vorbereitung weiterer Angriffe: Wer weiß, wer mit wem worüber spricht, wie Freigaben laufen und wann die Geschäftsführung unterwegs ist, hat alles für Social Engineering und CEO-Fraud: die dringende Überweisung „im Auftrag des Chefs“, glaubwürdig bis ins Detail.
  • Unsichtbare Weiterleitungsregeln: Jede neue E-Mail fließt an eine fremde Adresse ab, auch nach einer Passwortänderung, solange die Regel bleibt.
  • Der Schlüssel zu anderen Diensten: Passwort-Rücksetzungen für Bank, Buchhaltung und Lieferantenportale landen im Postfach.
  • Meldepflichten und Haftung: Die DSGVO verlangt binnen 72 Stunden eine Meldung an die Datenschutzbehörde; bei hohem Risiko – etwa bei Ausweiskopien, Kontodaten oder Gesundheitsdaten – sind zusätzlich alle Betroffenen zu informieren. NIS2-Betriebe müssen binnen 24 Stunden eine Frühwarnung abgeben. In jedem Fall ist nachzuweisen, was abgeflossen ist.

Was schützt

Was wirklich schützt

  • FIDO2-Sicherheitsschlüssel oder Passkeys: die einzige Multi-Faktor-Authentifizierung, die diesen Angriff stoppt. Der Schlüssel antwortet nur der echten Microsoft-Domain – auf der Fälschung passiert nichts. Codes per App oder SMS schützen hier nicht.
  • Passwortschutz im Browser: erkennt die Eingabe von Firmen-Passwörtern auf fremden Seiten und blockiert sie, bevor ein Zeichen ankommt (siehe Beispiel unter „Die Masche“). In jedem Managed Endpoint enthalten.
  • Bedingter Zugriff: Anmeldung nur von verwalteten Geräten und bekannten Orten; ein gestohlenes Token nützt dann wenig.
  • Überwachung des Postfachs: neue Weiterleitungsregeln, ungewöhnliche Anmeldungen und MFA-Änderungen lösen bei uns Alarm aus.
  • Eine Regel für alle: Bei einer Dateifreigabe nie über den Link anmelden, sondern Microsoft 365 direkt im Browser öffnen oder anrufen, wer das Dokument geteilt haben soll.

Passwörter & MFA Microsoft 365 im Detail

Handlungsempfehlungen

Zehn konkrete Schritte – in dieser Reihenfolge

  1. FIDO2-Schlüssel oder Passkeys einführen – zuerst für Geschäftsführung, Buchhaltung, Einkauf und Administratoren, dann für alle. Codes per App oder SMS nur noch als Übergang.
  2. Berechtigungen durchsehen: Wer hat Zugriff auf welche freigegebenen Postfächer, SharePoint-Bibliotheken und Teams? Alles entfernen, was nicht gebraucht wird; Gastzugänge und Alt-Konten löschen.
  3. Zahlungen absichern: Änderungen von Bankverbindungen nur nach Rückruf unter der bekannten Telefonnummer, nie per E-Mail. Vier-Augen-Prinzip für Überweisungen ab einem festgelegten Betrag – ohne Ausnahme „weil es eilig ist“.
  4. Passwortschutz im Browser auf allen Arbeitsplätzen: Firmen-Passwörter lassen sich dann auf fremden Seiten nicht eingeben (im Managed Endpoint enthalten).
  5. Bedingten Zugriff einrichten: Anmeldung nur von verwalteten Geräten und aus erwarteten Ländern; veraltete Anmeldeverfahren abschalten.
  6. Postfächer überwachen lassen: neue Weiterleitungsregeln, Anmeldungen von ungewohnten Orten und MFA-Änderungen müssen einen Alarm auslösen, nicht erst einen Verdacht.
  7. Microsoft 365 sichern: eigene Sicherung von Postfächern und Dateien, damit Gelöschtes oder Verschlüsseltes zurückkommt.
  8. Eine einfache Regel im Team: Bei einer Dateifreigabe nie über den Link anmelden. Microsoft 365 selbst im Browser öffnen oder den Absender anrufen. Wer einen Verdacht meldet, hat richtig gehandelt – auch wenn es Fehlalarm war.
  9. Meldeweg festlegen: Wer ruft wen an, wenn etwas passiert ist – Tag und Nacht. Die Nummer gehört an die Pinnwand, nicht ins Postfach.
  10. Einmal im Jahr prüfen: Berechtigungen, Konten, Regeln und Schulungsstand – als Teil der Bestandsaufnahme.

Punkt 1 ist der, der den Angriff tatsächlich stoppt. Alle anderen begrenzen den Schaden, wenn er doch gelingt.

Im Ernstfall

Wenn sich jemand angemeldet hat

Nicht zuerst das Passwort ändern und hoffen – der Angreifer hält die Sitzung und hat meist schon Hintertüren angelegt. Die Reihenfolge entscheidet.

Sofort – die erste Stunde

  1. Melden – bei uns unter +43 7755 22022, Tag und Nacht. Wir übernehmen die Schritte unten und sichern dabei die Protokolle.
  2. Konto sperren und alle Sitzungen beenden: Anmeldung blockieren, Sitzungs-Tokens widerrufen – erst danach ein neues Passwort setzen. Sonst bleibt der Angreifer mit dem gestohlenen Token angemeldet.
  3. Multi-Faktor-Authentifizierung kontrollieren: Wurden zusätzliche Geräte, Authenticator-Apps oder Telefonnummern hinterlegt? Angreifer registrieren eigene Methoden, um wiederzukommen. Im Zweifel alle Methoden löschen und neu registrieren lassen – mit FIDO2-Schlüssel oder Passkey.
  4. Kontaktdaten für die Passwort-Rücksetzung prüfen: fremde Telefonnummer oder Ersatz-E-Mail entfernen. SMS als Rücksetz- oder Anmeldemethode ist die schwächste Variante – wo möglich abschalten.
  5. App-Passwörter und App-Zustimmungen entfernen: App-Passwörter für alte Protokolle (seit dem Ende der Basisauthentifizierung selten, aber ein dauerhafter Zugang ohne MFA) sowie Cloud-Anwendungen, denen das Konto Zugriff auf Postfach oder Dateien erteilt hat – in Microsoft Entra ID unter den Unternehmensanwendungen.
  6. Regeln und Freigaben entfernen: Posteingangs- und Weiterleitungsregeln, Stellvertretungen, „Senden als“-Rechte, neue externe Freigabelinks in SharePoint und OneDrive.
  7. Rollen prüfen: Hatte das Konto administrative Rollen? Dann gilt der gesamte Mandant als betroffen – alle Admin-Konten, Richtlinien und Protokolle prüfen.

Danach – die ersten Tage

  1. Geräte prüfen: PC und Smartphone auf Schadsoftware, Browser-Sitzungen und gespeicherte Passwörter zurücksetzen, in Entra ID registrierte Geräte kontrollieren und fremde entfernen.
  2. Herausfinden, was passiert ist: Anmeldeprotokolle (von wo, seit wann), Überwachungsprotokoll (welche E-Mails und Dateien geöffnet oder heruntergeladen wurden), Nachrichtenablaufverfolgung im Exchange Admin Center (was wurde vom Konto an wen gesendet).
  3. Alle Empfänger umgehend warnen, die E-Mails vom Konto bekommen haben – besonders bei Rechnungen, Zahlungsangaben und „Dateifreigaben“. Die nächste Welle läuft bereits über deren Postfächer.
  4. Bestand aufnehmen, welche personenbezogenen Daten im Postfach und in den Ablagen lagen: Ausweiskopien, Kontodaten, Verträge, Bewerbungen, Gesundheitsdaten – auch in freigegebenen Postfächern. Das bestimmt, wen Sie informieren müssen.

Melden und informieren

  1. Datenschutzbehörde: Meldung binnen 72 Stunden (DSGVO Art. 33) – auch wenn noch nicht alles klar ist; Nachreichen ist ausdrücklich erlaubt.
  2. Betroffene Personen informieren (Art. 34), wenn ein hohes Risiko besteht – bei Ausweiskopien, Kontodaten oder Gesundheitsdaten regelmäßig der Fall: Kunden, Lieferanten, Mitarbeiter, Bewerber. Nur so können sie sich schützen: Ausweis sperren lassen, Bank informieren, auf Phishing in ihrem Namen achten.
  3. Weitere Stellen: NIS2-Betriebe melden ans CSIRT binnen 24 Stunden; Anzeige bei der Polizei; Bank informieren, wenn Zahlungsdaten betroffen sind; Cyber-Versicherung verständigen.

Je früher die Meldung, desto kleiner der Schaden. Ein Anruf zu viel ist kein Problem – ein Anruf zu spät schon.